Volle Bänke, klingende Märsche und die stolze Melodie der Nationalhymne: Die Albisgüetli-Tagung 2026 begann eindrucksvoll. Domenik Ledergerber, Zürcher SVP-Präsident, hielt einen Teil seiner Eröffnungsrede mit der Hellebarde in der Hand. Zwischen Musik, Ritual und politischen Botschaften pulsierte der Saal an der grössten politischen Veranstaltung in der Schweiz.
Albisgüetli 2026: Tradition trifft Politik
Köppel warnt vor EU-Kurs
Mit rhetorischer Brillanz und stupender Kenntnis geschichtlicher und politischer Zusammenhänge hielt alt Nationalrat Roger Köppel über eine Stunde lang eine freie Rede und rechnete scharf mit dem EU-Kurs der Schweiz ab.
Klare Worte
Roger Köppel sparte an der Albisgüetli-Tagung 2026 nicht mit klaren Worten. Die Europäische Union, einst als Friedens- und Wohlstandsprojekt gestartet, sei heute ein bürokratisches und zunehmend kriegerisches Gebilde. Der wirtschaftliche Abstieg Europas, der Verlust an Innovationskraft und die wachsende Regulierung seien unübersehbar. Wer glaube, die Schweiz könne ihren Wohlstand sichern, indem sie sich diesem Modell angleiche, verkenne die Realität.
Machtverschiebung
Besonders scharf kritisierte Köppel die geplanten institutionellen Verträge mit der EU. Diese bedeuteten nichts weniger als eine Machtverschiebung weg von Volk und Kantonen hin zu Brüssel. EU-Recht hätte Vorrang, EU-Richter das letzte Wort. Das sei kein Stabilitätsgewinn, sondern institutionalisierte Unsicherheit und ein Angriff auf den Föderalismus von 1848.
Ja zur Unabhängigkeit
Im Zentrum seiner Rede stand die Neutralität. Sie sei kein flexibles politisches Instrument, sondern das Schutzschild und die Lebensversicherung der Schweiz. Wer sie aufweiche, verspiele nicht nur die internationale Glaubwürdigkeit des Landes, sondern auch seinen konkreten Nutzen für die Weltmächte. Köppels Fazit war unmissverständlich: Nein zur Unterordnung unter Brüssel – ja zu Unabhängigkeit, Demokratie und einer konsequent gelebten Neutralität.
Bundesrat im Zeichen der Krisenfestigkeit
Bundespräsident Guy Parmelin stellte seine Rede ganz ins Zeichen von Krisen, Verantwortung und politischem Pragmatismus. Der Jahresbeginn sei von tragischen Ereignissen überschattet worden, die der Schweiz ihre Verletzlichkeit deutlich vor Augen geführt hätten. Parmelin erinnerte daran, dass Unvorhergesehenes längst zur politischen Normalität geworden sei; von der Pandemie über geopolitische Spannungen bis hin zu wirtschaftlichen Verwerfungen.
Umso wichtiger seien Solidarität, Handlungsspielräume und eine pragmatische Politik, die Stabilität sichere und Perspektiven erhalte. Besonders betonte der Wirtschaftsminister die Bedeutung offener Märkte, verlässlicher Staatsfinanzen und der direkten Demokratie als Rückgrat der Schweiz in unsicheren Zeiten.